Freitag, 20. April 2007

Ein Gedicht von einer Mehlspeise


Der Strudel, historisch-literarisch


Diese köstliche Mehlspeise fand sogar ihren Weg in die Literaturgeschichte. Alexandre Dumas (fils), der Autor der „Kameliendame“ besuchte einst seinen Schriftstellerkollegen Maurus Jókai und dessen Frau, die berühmte Schauspielerin Rosa Laborfalvy in Budapest.

Das Ehepaar servierte dem Gast ein Menü, dessen Krönung ein mit raffinierter Füllung bereiteter Strudel war. Alexandre Dumas war über alle Maßen begeistert. Wie man dieses „Gedicht“ von einer Mehlspeise zubereite, wollte er wissen.

Maurus Jókai soll ihm wie folgt geantwortet haben:

„Es ist ganz leicht. Auf einen riesigen Tisch wird eine weiße Tischdecke gebreitet; auf diese kommen zwei faustgroße Stücke von geknetetem Teig. Unter den fachmännischen Anweisungen der Hausfrau beginnen zwei Mädchen diese zwei Stücke zu ziehen, zu dehnen und zu strecken, bis sie so breit werden wie der ganze Tisch. Sie werden so groß, dass ein Römer sie als Toga hätte umhängen können. Dieser hauchdünne Teig wird mit saurem Rahm, Fett, Rosinen, Mandeln oder mit einer anderen Füllung bestreut. Dann wird er zusammengerollt wie eine Boa Constrictor, auf ein Backblech gelegt und mit der Raffinesse spanischer Inquisitoren auf langsamem Feuer gebacken und dann ...“

„Und dann“, unterbrach ihn Alexandre Dumas, der seinen Bauch wohlig streichelte, „und dann bedauern Sie die barbarischen Völker, die das nicht kennen!“

2 Kommentare:

leonie D. hat gesagt…

mmmm, richtig Lust zum Backen bekommt man nach diesen Zeilen
und der Genuss wird unübertrefflich sein!!

Anonym hat gesagt…

Liebe Imkerin,
die Strudel gibt es mit Obst oder mit Topfenfülle und "Millirahmsauce" aber auch pikant (Kraut, Kartoffeln, Spinat)und in Kärnten, Slowenien und Friaul aus Hefeteig mit Nuß-oder Mohnfülle in eine Backform gelegt: Reindling, oder flach im Rohr: Potitze.
Der gekochte Strudel heißt strukli und ist in den slawischen Küchen eine geschätzte Beilage.
lieben Gruß aus Wien
Hanna